FAQ

Q: Ein Patient kommt mit einer akuten Riechstörung und Dysgeusie – kann dies Zeichen einer COVID Infektion sein?

 

A: Ja, eine akute Riechstörung tritt – gemäss dem bisherigen Wissen – bei bis zu max. knapp 60% von Patienten mit COVID 19 auf. Riechstörungen sind auch auf der Liste der Symptome des BAG aufgeführt (https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/krankheit-symptome-behandlung-ursprung.html)

 


Q: Soll man einen solchen Patienten (siehe oben) akut weiter abklären und endoskopieren?

A: In der Akutsituation nein, da der Patient potentiell an COVID 19 erkrankt ist und somit als infektiös gelten muss. Riechstörungen, die in diesem Zusammenhang stehen, sind gemäss dem aktuellen Wissensstand  vorübergehend, wobei exakte Daten darüber, wie lange die Riechstörungen anhalten können, bislang fehlen.


Q: Sollen Patientinnen und Patienten mit Cholesteatomen während der COVID-19-Pandemie behandelt und operiert werden?

A: Patientinnen und Patienten mit trockenen und damit inaktiven Cholesteatomen können auf eine Warteliste gesetzt und erst in ein paar Wochen oder Monaten operiert werden. Patienten, insbesondere Kinder mit fötider Otorrhoe sollen ambulant adäquat lokal behandelt, die Ausdehnung mittels Bildgebung weiter abgeklärt und die Dringlichkeit der Operation medizinisch beurteilt werden. Drohen infektiöse Komplikationen oder eine zunehmende Gehörknöchelchenarrosion in den nächsten Monaten, so sollte der operative Eingriff am dafür ausgerüsteten Spital trotzdem vorzeitig geplant und durchgeführt werden.



Q: Wie soll ich mich bei einer Epistaxis in der Praxis verhalten bei unklarem Covid-Status?

A: Untersuchungen und Eingriffe an der Nase gehören (bei Covid-Patienten) wahrscheinlich zu den gefährlicheren Eingriffen, da sie nicht nur Aerosolbildend sind, sondern auch in einem Gebiet mit hoher Viruslast durchgeführt werden. Somit muss die Indikation für Eingriffe/Untersuchungen so restriktiv wie nur möglich gestellt werden. Ein vorausgehender negativer Covid-PCR Test, kann die präinterventionelle Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung senken, jedoch nicht komplett ausschliessen. Viele Institutionen versuchen dringende Nasenuntersuchungen und Eingriffe erst nach negativer Testung durchzuführen. Ist eine solche Prozedur aber indiziert, so sollten die maximal verfügbaren Schutzmassnahmen vor Ort ergriffen werden. Hierzu gehören mindestens FFP2 Schutzmasken, Augenschutz, (doppelte) Handschuhe und Absaugvorrichtungen, nach Verfügbarkeit. Eine persönliche Hygiene und das Vermeiden von Selbstkontamination ist essentiell.


Q: Welche aktuellen Überlegungen gilt es aufgrund der COVID-19 Situation zu treffen, bei Patienten mit akut peripherer Fazialisparese, idiopathischem Hörsturz , Menière Anfall und akut peripherem Vestibularisausfall?

A:

Ausgangslage:
Es gibt klinische Hinweise und erste Publikationen (z.B Russell et al. Clinical evidence does not support corticosteroid treatment for 2019-nCoV lung injury. The Lancet (2020); 20:30317-2.) dass die systemische Anwendung von Cortikosteroiden den Verlauf einer Covid-19 Infektion verlängern oder verschlimmern kann (verzögerte Viruselimination). Deshalb raten zahlreiche Fachgesellschaften von der Verordnung von Steroiden eher ab.  Die SGORL empfiehlt in Absprache mit der AG Otologie und verschiedenen Weiterbildungskliniken:

Menière/ Vestausfall:
Auf die Applikation von systemischen (p.o. oder i.v.) Steroiden sollte verzichtet werden, sondern nur symptomatische, antiemetische Therapie und ausreichende Flüssigkeitssubstitution.

Akuter Hörsturz:
Ein milder Hörsturz (<40dB) sollte keine systemischen Steroide erhalten. Ein mittelgradiger bis an Taubheit grenzender Hörsturz kann:
- bei gesunden, Covid-negativen Patienten weiterhin mit systemischen Steroiden behandelt werden. Der Patient soll weiterhin über die Risiken und insbesondere die zusätzlichen Vorsichtsmassnahmen aufgeklärt werden, wie Social Distancing, Tragen einer Maske, Händedesinfektion.

- Alternativ soll die intratympanale Dexamethason-Gabe durchgeführt oder der Patient zum HNO-Kollegen/in die Klinik zugewiesen werden, wo diese Injektionen vorgenommen werden können.  Aktuelle Daten zeigen keinen Vorteil der systemischen vs. intratympanalen Therapie.
- Patienten >65 J, Covid-Risiko-Patienten sollen nicht mit systemischen Steroiden behandelt werden.

Fazialisparese/paralyse:
Die Datenlage spricht für einen Vorteil der Steroidbehandlung betreffend der Erholung. Ähnlich wie beim Hörsturz gilt daher:
- Bei gesunden, Covid-negativen Patienten kann weiterhin mit systemischen Steroiden behandelt werden. Der Patient soll über die Risiken und insbesondere die zusätzlichen Vorsichtsmassnahmen aufgeklärt werden, wie Social Distancing, Tragen einer Maske, Augenprotektion (Uhrglasverband) und Händedesinfektion. Da der Patient mit FP wiederholt das Auge reibt, sollen die Vorsichtsmassnahmen gegen Covid-Ansteckung minutiös eingehalten werden.
- Bei Patienten >65 J, Covid-Risiko-Patienten sollen keine systemischen Steroide verschrieben werden, aber die gleichen minutiösen Vorsichtsmassnahmen.

Für diese Zusammenfassung: Prof. Dr. med. Thomas Linder



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