Weltweit leben etwa 90 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 19 Jahren mit einer Hörbeeinträchtigung. Viele von ihnen bleiben unentdeckt oder haben keinen Zugang zu den notwendigen Angeboten, insbesondere in vulnerablen Gruppen.
Häufige Ursachen für Hörstörungen bei Kindern sind:
- Mittelohrentzündungen mit Erguss
- Chronische eitrige Mittelohrentzündungen
- Ohrenschmalzpfropfen, die den Gehörgang verstopfen
Diese Ursachen sind in der Regel behandelbar. Wenn sie jedoch nicht versorgt werden, kann die daraus resultierende Hörminderung negative Auswirkungen auf die Sprachentwicklung, die kognitiven Fähigkeiten, die schulischen Leistungen und die soziale Teilhabe der Kinder haben – mit Folgen, die bis ins Erwachsenenalter anhalten können.
In der Schweiz ist das Neugeborenen-Hörscreening bereits etabliert. Hörstörungen entwickeln sich jedoch nicht nur bei der Geburt: insbesondere im Vorschul- und Schulalter können sie auftreten und lange unentdeckt bleiben, vor allem bei schwankenden oder einseitigen Defiziten.
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Kurz-Interview mit SGORL Mitglied und Vorsitzende der Arbeitsgruppe 'Pädiatrische ORL' Dr. med. Hélène Cao-Van
Welche Symptome deuten darauf hin, dass ein Kind trotz normalem Verhalten Hörprobleme haben könnte?
"Sprachverzögerungen, Verständnisprobleme, lautes Sprechen oder das Aufdrehen von Fernseher/Telefon sind Hinweise auf eine Hörminderung. Auch Unaufmerksamkeit im Unterricht oder starke Müdigkeit am Tagesende können Anzeichen sein."
Welche Chancen und Grenzen sehen Sie bei der Integration von Hörscreenings in Schulen?
"Gutes Hören ist entscheidend für schulisches Lernen, und das Screening ermöglicht allen Kindern mit Hörstörungen gleiche Chancen. Ein Nachteil kann die unterschiedliche Qualität der Screenings sein, was zu falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen führen kann."
Welche Rolle spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen HNO, Pädiatrie, Schule und Logopädie in der Praxis?
"Eine effektive Versorgung eines Kindes mit Hörstörung erfordert interdisziplinäres Vorgehen. Der Kinderarzt kann gemeinsam mit Familie und Schule eine Störung erkennen und das Kind zur HNO-Spezialistin/ zum HNO-Spezialisten überweisen. Schulische Anpassungen (z. B. Sitzplatz in der Nähe der Lehrperson) sowie logopädische Therapie bei Sprachverzögerung sind entscheidend. Regelmässige Netzwerktreffen sichern die optimale Versorgung – dies funktioniert nur bei guter Zusammenarbeit aller Beteiligten."
- Dr. med. Hélène Cao-Van, Vorsitzende der AG 'Pädiatrische ORL'
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Die SGORL engagiert sich gemeinsam mit der Arbeitsgruppe ‘Pädiatrische ORL’ für die Hörgesundheit bei Kindern und verfolgt folgende Ziele:
- Förderung der klinischen und Grundlagenforschung, auch im Rahmen schweizweiter multizentrischer Studien
- Organisation von Fortbildungen, Updates und Austauschmöglichkeiten
- Sicherstellung des Zugangs der SGORL-Mitglieder zu Diagnose und Therapie pädiatrischer HNO-Fälle
- Förderung des Informationsaustauschs mit der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und der European Society of Pediatric Otolaryngology (ESPO)
Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe ‘Pädiatrische ORL’ hier.
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Hörgesundheit ist ein entscheidender Bestandteil der Kindergesundheit und damit einer chancengerechten Entwicklung für alle Kinder, unabhängig von sozialen und regionalen Unterschieden.
Weitere Informationsmaterialien zu HNO-Erkrankungen für Kinder und Erwachsene finden Sie auch auf unserer Webseite > Für Patientinnen und Patienten > Krankheitsbilder.

